Herrnhuter Bahn: Rückbauverfahren eingestellt – neue Chance für die Strecke

Die Herrnhuter Bahn bekommt eine neue Perspektive: Das Eisenbahn-Bundesamt hat mit Schreiben vom 06.05.2026 mitgeteilt, dass das Planfeststellungsverfahren zum „Teilstreckenrückbau von Oberoderwitz bis Niedercunnersdorf“ eingestellt wurde.

 

Der Grund: Die DB InfraGO AG hat ihren Antrag auf eine planungsrechtliche Zulassung für den Rückbau der Strecke zurückgenommen. Damit wird das Verfahren, das den Abbau der Gleisanlagen ermöglichen sollte, nicht weitergeführt.

 

Das ist ein wichtiges Signal für die Region – und eine wichtige Voraussetzung dafür, dass auf der Strecke perspektivisch wieder Bahnbetrieb möglich werden kann. Gleichzeitig zeigt dieser Vorgang auch, wie lange politische Prozesse dauern: Bereits vor acht Jahren haben wir im Kreistag begonnen, auf eine Reaktivierung der Bahnstrecke zu drängen. Mit der Einstellung des Rückbauverfahrens ist nun ein wichtiges Etappenziel erreicht. Am Ziel sind wir damit aber noch lange nicht.

 

Bereits im Dezember 2025 hatte der Kreistag Görlitz mit großer Mehrheit einem Antrag unserer Fraktion Bündnisgrüne/KJiK/SPD zugestimmt und den früheren Beschluss zum Bahnradweg auf der Herrnhuter Bahn aufgehoben. Damit wurde der Weg frei für eine neue, ergebnisoffene Betrachtung der Strecke. Der Versuch, diese historisch bedeutsame Bahnverbindung dauerhaft in einen Radweg umzuwandeln, ist damit politisch vom Tisch.

Das nun vorliegende Schreiben des Eisenbahn-Bundesamtes bestätigt zusätzlich: Auch das laufende Verfahren für den Teilstreckenrückbau ist beendet. Stellungnahmen und Einwendungen aus dem bisherigen Anhörungsverfahren verlieren ihre Geltung. Zugleich werden mit der Einstellung des Verfahrens die Veränderungssperre und das Vorkaufsrecht für die vom Vorhaben betroffenen Flächen aufgehoben.

 

Klar ist aber auch: Die Einstellung des Rückbauverfahrens bedeutet noch nicht automatisch, dass morgen wieder Züge fahren. Sie bedeutet jedoch, dass der konkrete planungsrechtliche Weg zum Abbau der Strecke nicht weiterverfolgt wird. Damit bleiben Chancen erhalten – für eine touristische Zwischennutzung, für den Erhalt der historischen Bahninfrastruktur und vor allem für eine ernsthafte Prüfung einer möglichen Reaktivierung.

 

Aus unserer Sicht ist die Herrnhuter Bahn ein wichtiger Baustein für die Mobilitäts- und Regionalentwicklung in der Oberlausitz. Sie kann Perspektiven für Pendlerinnen und Pendler, für den Tourismus, für Herrnhut und die umliegenden Gemeinden sowie für eine bessere Anbindung der südöstlichen Oberlausitz eröffnen.

Die Entscheidung zeigt: Hartnäckigkeit lohnt sich. Viele Menschen, Initiativen und kommunalpolitisch Engagierte haben sich über Jahre dafür eingesetzt, dass diese Strecke nicht vorschnell aufgegeben wird. Dieses Engagement verdient Anerkennung.

 

Jetzt kommt es darauf an, die neue Situation konstruktiv zu nutzen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Potenziale der Herrnhuter Bahn sachlich geprüft werden – mit Blick auf Klimaschutz, regionale Entwicklung, Tourismus und eine bessere Erreichbarkeit unserer Region.

 

Unser Ziel bleibt: Die Oberlausitz braucht starke Schienenverbindungen, gute Mobilität und Infrastrukturentscheidungen mit Weitblick. Die Einstellung des Rückbauverfahrens ist dafür ein wichtiger Schritt – aber der Weg zu einer möglichen Reaktivierung muss weiter konsequent verfolgt werden.


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Wählergemeinschaft für Kinder, Jugend und Familie (KJiK)

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